Entlaufener Hund 🐾🐾

Ist Dein Hund entlaufen? Sogar mit Geschirr, Halsband und Leine?
Es gibt seit Tagen keine Sichtung?
Hier zeigen wir Euch, was Ihr im Vorfeld tun könnt.

Bitte wartet nicht zu lange damit, eine Geruchsprobe abzunehmen. Macht es im Zweifelsfall schon direkt nach der Übernahme. Wie das geht, das zeigt Euch Melanie Linnenberger in dem Video. Es ist wichtig, die Probe steril abzunehmen, damit der angesetzte Suchhund 🐕 nur den Geruch des zu suchenden Hundes in die Nase bekommt. Das macht ihm die Suche einfacher.

Hund entlaufen – Was tun?

Ein Alptraum! Dein Hund geht jagen oder erschreckt sich und läuft fort. Und nun ist er weg! Was du tun kannst, wenn dein Hund entlaufen ist, erklärt dir Melanie Linnenberger.

Gerade neu eingetroffene Hunde – insbesondere solche aus dem Tierschutz – sind bitte unbedingt immer in einem Sicherheitsgeschirr zu führen … und das nicht nur für ein paar Tage, sondern über mindestens einen Monat, u.U. auch länger. Hier gilt ohne wenn und aber: Sicherheit zuallererst! Ein wirklich guter Tierschutzverein übergibt den Hund ohnehin nur in einem solchen Geschirr! Hunde in einem völlig neuen Umfeld tendieren oft dazu, an ihren neuen Menschen zu ‘kleben‘, was beim Hundehalter den falschen Eindruck vermittelt, der Hund hätte schon eine starke Bindung aufgebaut und würde von sich aus bei ihm bleiben. Dies ist ein fataler Trugschluss! Der Hund klebt üblicherweise nur deshalb, weil der Mensch in diesem neuen, ihm vollkommen fremden Umfeld der einzige Fixpunkt ist, der ihm Sicherheit vermittelt. Mit jedem Tag, den der Hund im neuen Umfeld an Sicherheit gewinnt, steigt das Risiko, dass er bei der nächsten Gelegenheit (Wildsichtung, Erschrecken bei ungewohnten Geräuschen, …) abhaut.

Weiterlesen: Hund entlaufen – Was tun?

Warum ein Hund wegläuft

Grundsätzlich aber kann jeder Hund zu jeder Zeit entlaufen. Betroffen sind vor allem jagdlich motivierte oder auch (geräusch-)ängstliche Hunde. Daneben aber auch ältere Hunde, wenn sie erblinden oder das Gehör nachlässt. Speziell die jagdlich motivierten Hunde stellen eine oft unterschätzte Gefahr für sich selbst und ihre Umwelt dar, ganz besonders zur Brut- und Setzzeit. Den Hund hinter Wild her hetzen zu lassen, ist übrigens kein Kavaliersdelikt! Es ist absolut inakzeptabel, auch wenn der Hund angeblich das Wild ‘ja ohnehin nicht erwischt‘. Der Hund braucht das Wild nicht erwischen, um es zu töten! Die meisten Wildtiere werden schlichtweg zu Tode gehetzt, verletzen sich im Zuge der Flucht, Muttertiere erleiden Früh-/Totgeburten usw. Halten Sie Ihren Hund, solange er nicht absolut zuverlässig abrufbar ist, also bitte immer an der (Schlepp-)Leine. Bedenken Sie, dass wir es mit Lebewesen zu tun haben.

Was ist zu tun, wenn der Hund entläuft?

  • Das allerallerwichtigste ist, Ruhe zu bewahren!
  • Nicht aufgeregt rufen oder umherlaufen
  • Am Ort des Entlaufens stehenbleiben, maximal in einem Radius von ca. 100m. Bei Sichtung am besten hinhocken, denn das wirkt weniger bedrohlich auf den Hund als ein stehender, evtl. auch noch mit den Armen rumfuchtelnder Mensch
  • Auf gar keinen Fall (!!!) hinterherlaufen! So jagen Sie den Hund nur vor sich her (wenn auch für den Menschen unverständlich) und treiben ihn im Zweifelsfall immer weiter weg
  • Keine Suchaktionen mit vielen Menschen starten! Sie verschlimmern damit nur die Situation. Der Hund wird durch viele herumlaufende Menschen – die zudem aufgrund ihrer Aufregung viel Adrenalin ausschütten – ständig neu aufgescheucht und verfällt in einen Fluchtmodus
  • Benachrichtigen Sie Polizei, Ordnungsamt, Tasso, ggf. auch Forstamt / Jäger / Jagdpächter
  • Seien sie immer telefonisch erreichbar
    Erstellen Sie Suchplakate mit einem Foto und Angaben zum Hund. Weisen Sie deutlich darauf hin, dass Sichtungen nur an Sie persönlich zu melden sind und dass keinesfalls hinter dem Hund hinterhergerufen oder hinter ihm hergelaufen werden darf
  • Informieren Sie spezielle Gruppen für entlaufene Hunde in den sozialen Netzwerken, z.B. Facebook
  • Beschreiben Sie den Entlaufungsort und eventuelle Sichtungen möglichst genau. Das wird hilfreich sein, um ein Bewegungsmuster des Hundes zu erstellen
  • Richten Sie bitte sofort am Entlaufungsort eine Futterstelle ein. Deponieren Sie dort möglichst hochwertiges Futter wie z.B. Pansen, Gyros, etc.
    Eine gute Futterstelle riecht der Hund bis zu ca. 3 km weit.

Wichtig!

Suchhunde nur einsetzen, wenn der Hund mit Geschirr und Leine entlaufen ist oder nach vier Tagen noch keine Sichtung erfolgt ist. Ansonsten besteht auch hier die Gefahr, dass der entlaufene Hund vom ‘Pettrailer‘ unnötig aufgescheucht und immer weiter weg getrieben wird!

Was können Sie im Vorfeld tun?

  • entlaufen 3Führen Sie den Hund grundsätzlich an der Leine / Schleppleine, besonders, wenn er stark jagdlich motiviert oder ängstlich ist und solange der Abruf nicht absolut zuverlässig funktioniert
  • Machen Sie Abriebe für ein Riechmuster von ihrem Hund, falls einmal Suchhunde eingesetzt werden müssen. So einen Abrieb können Sie z.B. von der Schlafdecke oder dem Halsband / Geschirr nehmen. Benutzen Sie hierzu unbedingt Einweghandschuhe. Reiben Sie mit einer Mullbinde oder einem Papierküchentuch kräftig darüber und geben Sie den Abrieb in eine kleine, gut verschließbare Tüte
  • Erstellen Sie eine Geruchsprobe Ihres Hundes für den Fall der Fälle:
  • Lassen Sie Ihren Hund chippen und registrieren Sie ihn unbedingt bei Tasso und / oder anderen entsprechenden Diensten. Achtung: Die Übernahme eines bereits gechipten Hundes bedeutet nicht, dass dieser schon registriert ist. Registrieren Sie ihn unbedingt selbst noch einmal oder stellen Sie sicher, dass bei den entsprechenden Diensten die neuen Halterdaten registriert sind
  • Statten Sie Ihren Hund mit einem GPS- Tracker aus. Das kann kostbare Zeit bei der Suche einsparen

Wie ich zur Sicherung entlaufener Hunde kam

Im Februar 2018 fing alles an. Ich bekam einen Anruf vom Vorstand des Tierschutzvereines, bei dem ich Mitglied bin. Ein frisch vermittelter Hund war entlaufen und ich wurde nun gefragt “Kann dein Hund einen entlaufenen Hund suchen?“
Okay, wir machten damals zwar Mantrailing, aber Pettrailing hatte ich noch nicht gemacht. Doch ich wollte es versuchen.
Ich erhielt die wesentlichen Daten, setzte meinen Hund an und siehe da, er folgte der Spur.
Doch was wäre zu tun, wenn mein Hund den entlaufenen Hund tatsächlich aufspürte? Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht viel darüber.
Ich machte mich im Netz schlau und kontaktierte natürlich auch TrainerkollegInnen. Wir suchten zusammen einen erfahrenen Menschen, der mit dem Thema vertraut war und möglichst Profi in der Thematik wäre.

  • Wir wurden fündig, ich telefonierte viel mit ihm während der Suche:
  • Wie richtet man professionell eine Futterstelle ein?
  • Wie verhalte ich mich?
  • Was muss ich bei meinem suchenden Hund beachten?
  • Wie erstelle ich ein Muster u.v.a.m.

Ich lernte immer mehr darüber. Auch Vereinshunden und deren Adoptanten konnte ich am Telefon helfen.
Ich fing an immer mehr Leuten zu helfen, doch es fehlte mir leider die Ausrüstung, wie Wildkameras, eine Falle etc.
Mein Verein bot mir die Hilfe an eine Spendenaufruf zu machen. Wir taten es und nun besitze ich 2 Wildkameras, eine sehr große Falle und den passenden Anhänger dazu. Zudem wurde ein Chip-Lesegerät gespendet!

Hund entlaufen – Ein Erfahrungsbericht

Wie ist es, wenn man als jemand, der viel Erfahrung mit der Sicherung entlaufener Hunde hat, zu einem Einsatz gerufen wird? Melanie Linnenberger erzählt, was sie dann tut.

Norris, 10 Jahre alt, Labrador-Rüde, von klein auf bei seinen Menschen. Ein GPS- Tracker hätte uns definitiv eine Woche des Suchens, Bangens und der Unsicherheit erspart. An einem Dienstag bekam ich einen Anruf: “Können Sie uns bitte helfen, unser Hund ist entlaufen!“ Natürlich machte ich mich umgehend auf den Weg, um mir eine Stelle anzusehen, wo er angeblich an einer Futterstelle gefressen haben sollte. Diese war wohl für einen anderen entlaufenen Hund eingerichtet worden, war aber leider sehr unprofessionell und schlecht angelegt. Zudem war auf der Wildkamera nicht Norris zu sehen, sondern ein anderer Hund, der wohl spazieren geführt wurde. Am nächsten Tag trafen wir uns am Entlaufungsort. Ich wollte dort nochmal ansetzen.

Weiterelesen: Hund entlaufen – Ein Erfahrungsbericht

Nach vier Tagen ohne Sichtung

Mittlerweile waren vier Tage ohne Sichtung vergangen. Aus diesem Grund nahm ich einen von meinen Hunden mit, um ihn am Entlaufungsort anzusetzen. Er hatte rasch eine Spur, aber wir kamen nach einer Weile wieder am Entlaufungsort an. Nach Angaben der Besitzer war Norris genau dort in die abwärtsgehenden Büsche gelaufen. Gegenüber dem Hang lagen Bahngleise. Entlaufene Hunde ernähren sich oft von Aas. Ich wollte mir die Sache mal näher anschauen. Also kletterte ich hoch, konnte aber nichts weitersehen. Zudem war der Bereich sehr gefährlich. Nach drei Stunden brachen wir ab. Ich musste mir alles nochmal genau durch den Kopf gehen lassen und mich mit einer Kollegin beraten.

War der Hund verletzt oder wurde er mitgenommen?

Mir war klar, dass bei einem Hund dieser Größe und um diese Uhrzeit entlaufen, seither von niemandem gesehen, nach so langer Zeit etwas nicht stimmt. Vermutlich wäre er entweder verletzt oder jemand hätte ihn mitgenommen. Wir durchforsteten Ebay, ob er eventuell dort zum Verkauf angeboten würde, ohne Erfolg. Die Suchplakate wurden nochmals geändert und in den sozialen Medien und handlich verteilt. Inzwischen hatten wir Samstag und immer noch keine Sichtung. Das konnte nicht sein. Mein Gefühl sagte mir: Ich muss dort rein, wo er am Entlaufungstag rein ist … auch wenn es fast unmöglich war, denn dort kam auch mein Hund nicht weiter. Am Sonntagmorgen drängelte ich. Ich wollte unbedingt in das Gebiet rein. Wir zertraten die mannshohen Brennnesseln. Es ging einen steilen Hügel hinunter. Dort unten war ein kleiner Fluss. Es ging wieder einen steilen Hügel hinauf. Der Freund der Besitzerin kämpfte sich den gegenüber liegenden Hang hoch. Ich blieb im Fluss, um hochzuschauen. Wir liefen ein paar Meter weiter. Oberhalb war es wirklich schwer durchzukommen. Da kam er der Ruf “Ich habe ihn!“

Leider kein Happy End

Ich hatte kein gutes Gefühl. Und??? Norris war tot. Er lag im Gestrüpp, ganz verdreht. Ich konnte nicht dorthin und bat den Freund der Halterin, zu mir runterzukommen. So standen wir eine Weile im Fluss und besprachen kurz, was wohl passiert sein mochte? Norris hatte definitiv einen Genickbruch erlitten. Mir blieb nichts Anderes übrig, als auf dem Spazierweg zur Besitzerin zurückzugehen, die dort noch suchend unterwegs war. Es war traurig sie zu informieren. Wir mussten letztlich noch zwei Männer zur Hilfe rufen, um Norris überhaupt bergen zu können.

Fazit

JEDER Hund kann JEDERZEIT entlaufen!
Es macht Sinn, die technischen Möglichkeiten, die es heutzutage gibt, tatsächlich zu nutzen. Die Anschaffung / Das Anlegen eines GPS-Trackers hätte hier viel Zeit gespart, hätte Norris vielleicht sogar das Leben gerettet.

Wie ich zur Sicherung entlaufener Hunde kam

Im Februar 2018 fing alles an. Ich bekam einen Anruf vom Vorstand des Tierschutzvereines, bei dem ich Mitglied bin. Ein frisch vermittelter Hund war entlaufen und ich wurde nun gefragt “Kann dein Hund einen entlaufenen Hund suchen?“
Okay, wir machten damals zwar Mantrailing, aber Pettrailing hatte ich noch nicht gemacht. Doch ich wollte es versuchen.
Ich erhielt die wesentlichen Daten, setzte meinen Hund an und siehe da, er folgte der Spur.
Doch was wäre zu tun, wenn mein Hund den entlaufenen Hund tatsächlich aufspürte? Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht viel darüber.
Ich machte mich im Netz schlau und kontaktierte natürlich auch TrainerkollegInnen. Wir suchten zusammen einen erfahrenen Menschen, der mit dem Thema vertraut war und möglichst Profi in der Thematik wäre.

Weiterlesen: Wie ich zur Sicherung entlaufener Hunde kam

Wir wurden fündig, ich telefonierte viel mit ihm während der Suche:

  • Wie richtet man professionell eine Futterstelle ein?
  • Wie verhalte ich mich?
  • Was muss ich bei meinem suchenden Hund beachten?
  • Wie erstelle ich ein Muster u.v.a.m.

Ich lernte immer mehr darüber. Auch Vereinshunden und deren Adoptanten konnte ich am Telefon helfen.
Ich fing an immer mehr Leuten zu helfen, doch es fehlte mir leider die Ausrüstung, wie Wildkameras, eine Falle etc.
Mein Verein bot mir die Hilfe an eine Spendenaufruf zu machen. Wir taten es und nun besitze ich 2 Wildkameras, eine sehr große Falle und den passenden Anhänger dazu. Zudem wurde ein Chip-Lesegerät gespendet!

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